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17.01.2009, phaenovumInterview der BZ mit Klaus Endress

Verantwortung muss gelebt werden

Inhabergeführte Betriebe sehen sich traditionell in der gesellschaftlichen Verantwortung und engagieren sich. Wie ein erfolgreiches soziales Engagement aussehen kann, erläutert Klaus Endress, Chef der Endress + Hauser-Gruppe in Reinach und Präsident des WVIB, im Gespräch mit BZ-Mitarbeiterin Bettina Schaller.

BZ: Unternehmen wollen gesellschaftliche Verantwortung übernehmen. Wie soll diese aussehen?
Endress: Die wichtigste Aufgabe eines Unternehmens ist es, Beschäftigung zu schaffen. Beschäftigung bedeutet Einkommen, und Einkommen bedeutet Wohlstand, für den Einzelnen, für die Gesellschaft. Zugleich ist das Unternehmen aber auch Teil eines größeren Ganzen. Es muss Sorge dafür tragen, dass die Umwelt geschützt wird, dass die Lebensgrundlagen bewahrt bleiben, dass unser Gemeinwesen gedeiht.

BZ: Welche Strategien halten Sie für praktikabel für den Mittelstand?
Endress: Es gibt keinen Weg, der für alle der richtige ist. Die Unternehmen der Endress + Hauser-Gruppe haben viele Freiheiten, sie nehmen ihre Verantwortung unterschiedlich wahr. Die Bedürfnisse und Sorgen der Menschen im Dreiländereck sind andere als in China. Was wir tun, baut auf unserer gemeinsamen Firmenkultur auf, und es passt zu unseren Zielen, Werten und Überzeugungen, die wir in Vision und Mission, Credo und Spirit formuliert habenen. Darin bekennen wir uns zu unserer Verantwortung gegenüber Mitarbeitern, Umwelt und Gesellschaft.

BZ: Muss soziales Engagement altruistisch geprägt sein, oder darf es wirtschaftlichen Zwecken dienen?
Endress: Sozial zu sein, bedeutet gut für eine Gemeinschaft zu sein. Anerkennung, respektvoller und guter Umgang miteinander bewirken ein Klima im Unternehmen, in dem sich die Menschen wohlfühlen, viel besser arbeiten und damit direkt auch bessere Resultate für das Unternehmen erzielen. Die Unterstützung einer Institution, die sich der Gewaltprävention bei jungen Menschen annimmt, wirkt sich sicher weit weniger direkt auf das Unternehmen aus. Ich halte es da aber mit dem Gründer der Migros, Gottlieb Duttweiler, der gesagt hat: Man muss geben, geben, geben – und man kann es nicht verhindern, dass alles wieder zurückkommt.

BZ: Wo sollten sich Unternehmen engagieren – vor Ort oder über Landesgrenzen hinweg?
Endress: Soziale Projekte müssen immer begleitet und gepflegt werden, insoweit sind lokale Projekte von Vorteil. Von Reinach aus gesehen endet das Lokale aber nicht an der Landesgrenze. Wir haben beispielsweise den Aufbaus eines Dorfes in Sri Lanka unterstützt – nach dem Tsunami im Dezember 2005. Wir hatten verlässliche Partner vor Ort, und nach einem Jahr war das Dorf teilweise schon bewohnt und noch bereit für andere.

BZ: Unternehmen, die sich sozial engagieren, ergreifen die Chance, ihr Umfeld mitzugestalten. Brauchen sie dafür große Etats?
Endress: Auch kleine Schritte führen zum Ziel. Jeder sollte das tun, was in seinen Möglichkeiten liegt. Wenn viele Menschen ihre Verantwortung wahrnehmen würden, wäre es um unsere Welt besser bestellt.

BZ: Sollten sich mittelständische Unternehmen am Standort zu einem Netzwerk zusammenschließen, um effektiver zu sein?
Endress: Jedes Unternehmen muss den eigenen Weg finden. Im Sinne der Nachhaltigkeit ist ein enger Bezug zum geförderten Projekt wichtig. Natürlich kann es sinnvoll sein, sich mit anderen Unternehmen zusammenzuschließen. Ich denke etwa an das Phaenovum in Lörrach, ein Schülerforschungszentrum, das talentierte junge Menschen an die Wissenschaft heranführt. Hier sind viele Unternehmen des Dreiländerecks engagiert.

BZ: Gesellschaftliche Verantwortung und nachhaltiges Wirtschaften liegen häufig in der DNA eines Familienunternehmens. Haben Sie Tipps aus der Praxis für den Mittelstand?
Endress: Verantwortung, das habe ich schon gesagt, hat viele Facetten. Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft ist ein Teil der ganzheitlichen Verantwortung, die man als Unternehmer und eben besonders als Familienunternehmer hat. Man will der nächsten Generation ein gesundes, florierendes Unternehmen übergeben – damit auch sie wieder ihrer Verantwortung gerecht werden kann.