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05.03.2009, phaenovumDas Interesse ist ansteckend
Badische Zeitung, 05.März 2009
Beim Autorennen, am Strand und beim Roboter-Bauen kommen manchen die interessantesten Geistesblitze – wie den Mitgliedern der sieben Lörracher Forscher-Gruppen, die seit gestern an "Jugend forscht" in der Freiburger Messehalle teilnehmen.
Die Einen legen zur Entspannung die Beine hoch, andere bauen Roboter. Wie Lukas Neuhaus und Alexander Ziegler (beide 17 Jahre alt). Lukas kann sich gar nicht mehr genau erinnern, wann er angefangen hat, sich für Bionik, die Mischung aus Biologie und Elektronik, zu interessieren. "Das ist meine Welt", schwärmt er. Bei seiner fünften "Jugend forscht"-Teilnahme in diesem Jahr zeigt er einen künstlichen Muskel, der sich mit Hilfe von Magnetfeldern bewegt. Gemeinsam mit Alexander hat er sich diesen "Muskel" zum Beispiel für den Einsatz in Prothesen ausgedacht. "Lukas hat mich da reingezogen", sagt Alexander und lacht. Sein Vater ist Elektroniker, das hat auch ihn geprägt. Alexander und Lukas haben sich bei einer Federfabrik eigens für den Betrieb des Muskels Federn anfertigen lassen, die genau an die Kräfte der Magnetfelder angepasst sind: sechs Stück für 125 Euro. Den großen Rest der Arbeit haben sie im Lörracher Phaenovum (siehe Infobox unten) selber machen können. Dort gehen sie regelmäßig hin. Aufgeregt erzählen sie, was es dort alles gibt: Mikroskope, eine Werkstatt – und vor allem Freiraum.
"Die haben ihren Muskel ganz eigenständig entwickelt", beteuert Bernd Kretschmer, Leiter des Phaenovums. "Hier läuft alles ohne Zwang und Noten, aber die Einrichtung gibt den Schülern einen Ansporn", erzählt Kretschmer. Die Schüler würden sich auch gegenseitig anspornen, das Interesse sei auf jeden Fall ansteckend. Zwischen 15 und 20 Jahren sind die Tüftler und Experimentierer alt und kommen aus allen möglichen Schulen in Lörrach. Lukas zum Beispiel war auf der Realschule und macht jetzt eine Ausbildung zum Elektriker.
Ein Großteil kommt ursprünglich vom Hans-Thoma-Gymnasium, wie Uli Beitinger (20), Marco Zimmermann (19) und Felix Lorenz (18). Für ihren Geysir wurde eigens ein Bus von der Stadt organisiert. Der Rest der Lörracher ist auf drei oder vier Autos verteilt gefahren. "Ich hatte nicht so viel Zeit, alles zu betrachten, aber der Geysir ist sehr hochwertig", sagt Kretschmer. Ungezählte Stunden haben die drei im vergangenen Jahr daran gearbeitet, um die Intervalle zwischen den Ausbrüchen eines Geysirs zu berechnen: 200 bis 250 Stunden überschlägt Felix grob seinen Arbeitsanteil.
Dabei sind die Bastler keine Schüler "mit Scheuklappen", sagt Kretschmer. Felix nehme zum Beispiel an Breakdance-Wettbewerben teil. Michael Schramm, der mit David Bohrmann (beide 18) den Einfluss von Zahnpasta auf die Rauheit von Zähnen überprüft hat, will sich bald für die Europameisterschaft im Laufen qualifizieren und Martin Strittmatter (19) kam seine Idee zur Optimierung seines Modell-Rennautos in einem Windkanal überhaupt nur, weil er als halber Profi damit sowieso regelmäßig Rennen fährt.
Christian Späte und Sebastian Wagner kam der Gedankenblitz sogar im Urlaub: "Wir saßen am Strand in Sylt und haben uns überlegt, woher die Dünen kommen", erzählt Sebastian. Riesige Apparate, um Wasserströmungen zu imitieren haben sie mit in die Freiburger Messehalle gebracht. Der elfjährige Tobias Spanke, als einziger nicht im Phaenovum, hatte die Idee für den beleuchteten Schulranzen auf dem Schulweg. Den Vorsatz, bei Jugend forscht mitzumachen, hat er aber schon vor zwei Jahren von seinem Nachbarn übernommen: Muskel-Lukas. "Ich wollte unbedingt auch hierher", schwärmt Tobias. Vielleicht könnte er in ein paar Jahren mal erforschen, ob es ein ansteckendes Forschervirus gibt.
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